Hafer beim Pferd: Was passiert mit den Kohlenhydraten bereits im Magen?
Hafer gilt seit Jahrhunderten als klassisches Kraftfutter für Pferde (Meyer & Coenen, 2014). Besonders interessant ist dabei die Frage, wie die enthaltene Stärke im Verdauungstrakt verarbeitet wird. Eine aktuelle Studie von Bachmann et al. (2024) zeigt, dass die Verdauung von Hafer früher beginnt als bisher oft angenommen — nämlich bereits im Magen.
Die Forschenden untersuchten Pferde, die entweder auf der Weide grasten, nur Heu erhielten oder mit Heu und Hafer gefüttert wurden. Dabei zeigte sich, dass die Stärke aus dem Hafer im Magen messbar abnahm. Je nach Fütterungsmenge wurde die Haferstärke bereits im Magen um etwa 32 bis 50 % reduziert (Bachmann et al., 2024). Das deutet darauf hin, dass schon dort enzymatische Prozesse stattfinden, die Kohlenhydrate teilweise aufspalten.
Trotzdem macht die Studie auch deutlich, dass der Magen nur einen kleineren Teil der gesamten Kohlenhydratverdauung übernimmt. Der größte Anteil der Stärkeverdauung erfolgt weiterhin im Dünndarm und anschließend im Dickdarm durch mikrobielle Fermentation. Der Pferdemagen ist also kein Hauptort der Stärkeverdauung, beteiligt sich aber messbar an der ersten Verarbeitung (Bachmann et al., 2024).

Für die Praxis bedeutet das: Haferstärke steht dem Pferd nicht vollständig „roh“ zur Verfügung, sondern wird bereits früh im Verdauungstrakt teilweise abgebaut. Das könnte erklären, warum Hafer im Vergleich zu manchen anderen Getreidearten oft als relativ gut verträglich gilt. Gleichzeitig bestätigt die Studie, wie wichtig eine angepasste Fütterungsmenge bleibt, damit nicht zu viel unverdaute Stärke in den Dickdarm gelangt.
Die Autoren betonen außerdem, dass spätere Korrekturen einzelner Zahlenwerte in der Veröffentlichung nichts an den grundlegenden Ergebnissen der Studie verändert haben (Bachmann et al., 2024).
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